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Roms "vergessener Feldzug" - Archäologische Fundstelle am "Harzhorn"

Die sensationelle archäologische Fundstelle eines römisch-germanischen Schlachtfeldes befindet sich im Gebiet des "Harzhorn", einem bewaldeten Höhenzug zwischen Bad Gandersheim-Harriehausen und Kalefeld-Oldenrode.

Lagekarte HarzhornAusgrabung Harzhorn

Fund auf dem Harzhorn Wagenaufsatz

 

Nach Angaben von Fachleuten handelt es sich um eine spektakuläre Entdeckung mit außerordentlicher wissenschaftlicher Bedeutung.

Seit der Entdeckung im Sommer 2008 durch die ungewöhnlichen Funde von eisernen Speerspitzen, Spitzen von Katapultgeschossen, eine Pionierschaufel und eine "Hipposandale" - ein spezieller Hufschutz für Pferde und Maultiere, wie er nur in der römischen Armee verwendet wurde - hat sich die Forschung verstärkt mit diesem Thema befasst.

Gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege leitete die Kreisarchäologie ein ungewöhnliches Projekt ein: Hunderte georteter Funde wurden freigelegt, detailliert dokumentiert und ihre Konservierung eingeleitet. Erst durch die Gesamtbewertung vieler einzelner Mosaiksteinchen wurde das Potenzial ihrer Aussagekraft deutlich.

Dabei zeigte sich schnell, dass es sich nicht wie anfangs vermutet um ein weiteres römisches Lager handelt, sondern um ein ausgedehntes Gefechtsfeld zwischen römischen Truppen und Germanen. In Teilen des weitläufigen Geländes sind die Funde so gut erhalten, dass es möglich ist, Teilereignisse des Kampfgeschehens nachzuvollziehen wie etwa den Einschlag gezielter Pfeilsalven oder einzelne Infanterieangriffe.

Kein anderes antikes Schlachtfeld, das Archäologen bisher entdecken konnten, hat so eindrucksvolle ungestörte Hinterlassenschaften erbitterter Kämpfe geliefert.

Ausgrabung HarzhornFundstück Ausgrabung Harzhorn

Die bislang sichersten Datierungshinweise sind eine sehr abgegriffene Münze des Kaiser Commodus, der von 180 bis 192 nach Christus regierte und ein Messerfutteral, das nicht vor dem ausgehenden 2. Jahrhundert nach Christus entstanden sein kann.

Am wahrscheinlichsten erscheint der Fachwelt inzwischen die Zeit von Kaiser Maximinus Thrax (235 bis 238 nach Christus) , der bei seinem Feldzug gegen die Germanen unter anderem persische Bogenschützen und maurische Speerschleuderer einsetzte.

Harzhorn Kaiser Maximinus Thrax

Mit diesem Neufund eines antiken Schlachtfeldes ist in Südniedersachsen ein weiterer wichtiger Fundplatz zur Frage des Mit-, Neben- und Gegeneinanders von Römern und Germanen lokalisiert. Geschossspitzen zeigen den Einsatz römischer Torsionsgeschütze.

Möglicherweise lässt eine Vielzahl von dreiflügeligen Pfeilspitzen auf die Anwesenheit orientalischer Bogenschützen schließen, die Reflexbögen benutzten. Speerspitzen ergänzen das Spektrum der Waffen.

Auf den Tross deuten Teile von Wagen, wie Achsnägel, Radnaben und Anschirrungszubehör, aber auch Bruchstücke von Sklavenfesseln oder Zeltheringe hin. Die Fundverteilungsmuster von Sandalennägeln ermöglichen es, den Weg des römischen Heeres über den Pass nach Süden nachzuvollziehen. Die Einschläge römischer Geschossspitzen zeigen die germanischen Stellungen an.

Fundstücke Ausgrabung Harzhorn

Bis in den Spätherbst 2009 hinein haben Wissenschaftler und Studenten die Ausgrabung am Harzhorn weiter fortgeführt. Nach und nach haben sich immer wieder neue Erkenntnisse zum mutmaßlichen historischen Gesamtkontext ergeben, die in Zukunft noch auszuwerten und zu vervollständigen gilt.

Ab Sonntag, 2. Mai 15 Uhr, werden unter Leitung ausbildeter "Harzhorn-Guides" Führung am Harzhorn stattfinden. Anmeldungen nimmt ab sofort die Touristinformation Bad Gandersheim unter Telefon (05382) 73-700 entgegen.

 Auch zukünftig sollen Anmeldungen und Anfragen ausschließlich über diese Einrichtung laufen, um die Besucheranfragen entsprechend zu lenken und zu bündeln. Neben den regelmäßigen Führungen soll es auch Gruppenführungen geben. Die Führungen werden zwischen drei und vier Euro pro Person kosten.

 Die Termine für regelmäßige Führungen lauten:

Sonntag, 2. Mai,

Sonntag 23. Mai,

Sonntag, 13. Juni,

Sonntag, 4. Juli,

Sonntag, 25. Juli,

Sonntag, 15. August,

Sonntag, 5. September,

Sonntag, 26. September und

Sonntag, 17. Oktober

- jeweils um 15 Uhr.

Die Dauer der jeweiligen Führung beläuft sich auf circa zwei Stunden. Treffpunkt ist die Schranke unterhalb des Harzhorns von der B 248 kommend. Gruppenführungen (ab zehn Personen) können in der Touristinformation terminlich separat gebucht werden.

Auf Anfrage kann in Abstimmung mit der örtlichen Gastronomie eine Räumlichkeit vor Ort für Einführungsvorträge etc. genutzt werden.

Alle Infos: Touristinformation Bad Gandersheim, Telefon (05382) 73-700.



[sbg, 03.05.2010]
 
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Presse und Öffenlichkeitsarbeit, Internet-Redaktion
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